FORUM MENSCHENRECHTE ruft Bundesregierung dazu auf, sich für Verbrechen der Kolonialzeit in Namibia zu entschuldigen und einen wirkungsvollen Beitrag zur Landreform zu leisten

10. August 2004

Zwar begrüßt das FORUM MENSCHENRECHTE, dass der Deutsche Bundestag am 17.6.2004 einen Antrag zum Gedenken an die Opfer des Kolonialkrieges im damaligen Deutsch-Südwestafrika verabschiedet hat. Dennoch bedauert und kritisiert das Forum, dass auch 100 Jahre nach den Ereignissen die unter Historikern allgemein anerkannte Tatsache, dass es sich um einen Völkermord gehandelt hat, im Antrag keine Erwähnung findet. Darüber hinaus fehlt ein klares Bekenntnis zur Unterstützung einer Landreform in Namibia. So bleibt der Beschluss aus Sicht des FORUM MENSCHENRECHTE halbherzig und geht in keiner Weise über die Entschließung des Bundestages hinaus, die 1989 gefasst wurde, als Namibia unabhängig wurde.

Information zur Sache:

Mit der Erinnerung an die Niederschlagung des Hereroaufstandes in der Schlacht am Waterberg vom 11. bis zum 13. August 1904 jährt sich zum hundersten Mal eines der dunkelsten Kapitel deutscher Kolonialgeschichte. In der erklärten Absicht des Kommandanten der Schutztruppen, General v. Trotha, alle Herero zu vernichten, kam es damals unter ausdrücklicher Billigung der Reichsregierung zum ersten, im Namen des Deutschen Reiches begangenen, Völkermord im 20. Jahrhundert. Im August 1904 wurden die Herero, die sich in einem Aufstand gegen die fortschreitende Enteignung und Vertreibung von ihrem Land gewaltsam auflehnten, in der Schlacht am Waterberg vernichtend geschlagen und in die Omaheke-Wüste getrieben, wo zehntausende Herero verdurstet sind. Anfang Oktober befahl von Trotha seinen Truppen, auf alle Herero – ausdrücklich auch auf Frauen und Kinder – zu schießen, die versuchen sollten, auf das Gebiet der Kolonie zurückzukehren. Später wurden im Land Konzentrationslager eingerichtet, in denen Herero und später auch andere Völker wie z.B. die Nama, die sich dem Widerstand der Herero angeschlossen hatten, zur Zwangsarbeit für deutsche Unternehmen und die Kolonialverwaltung gezwungen wurden. Auch hier verloren Tausende ihr Leben.

Diese Presseerklärung wird von den Mitgliedsorganisationen des FORUM MENSCHENRECHTE entsprechend ihrem jeweiligen Aufgabengebiet und ihrer Zielsetzung getragen.

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Jochen Motte
Vereinte Evangelische Mission
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